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Bestimmte Rassen, bzw Mixe haben immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen.

Aktuell betreue ich eine Hundedame, die davon ein Lied singen kann. Und weil ich auch immer wieder gefragt werde, ob sich denn alle Hunde miteinander verstehen, erzähle ich euch jetzt mal den Werdegang einer Hundedame in meiner Betreuung, die eben mit genau solchen Vorurteilen zu kämpfen hat und bei der am Anfang nicht ganz klar war in wie weit sie sich mit anderen Hunden versteht.

Vor einigen Monaten wurde ich von einer Frau angerufen, die mich um Hilfe mit ihrer Hündin Cora bat. Vordergründig ging es um Betreuung von Cora, falls die Familie mal keine Zeit haben sollte. Allerdings hatte sie auch gehört, das schon einige Hunde durch meine Gruppen ein besseres Sozialverhalten gelernt haben, lockerer wurden und mehr ‚Hund‘ wurden. Und genau da lag Coras Knackpunkt. Cora ist eine 7-jährige Bullterrier-Mix Hündin, mit nicht ganz eindeutiger Geschichte. Im Dezember 2016 hat ihre Familie sie aus dem Tierheim adoptiert, wo sie offenbar 5 Jahre als ‚unverträglicher Hund‘ einzeln gehalten wurde und Spaziergänge nur mit Maulkorb stattfanden. Auslöser war wohl eine Zwingerbeisserei, wonach der Bullterrier-Mix als aggressiv eingestuft wurde und weiterer Hundekontakt untersagt wurde. Da die Familie viel Erfahrung mit Bullterriern hatte, haben sie beschlossen Cora ein Zuhause zu geben. Dort habe ich dann Cora im Erstgespräch kennengelernt.

Nachdem ich schon am Telefon einiges über die Hundedame erfahren hatte, war ich natürlich super neugierig was mich erwartet. Moya ( Coras Frauchen ) hatte mir bereits ihre Geschichte erzählt, mir auch gesagt das Cora gerade Linien braucht, dass sie ihren Hund aber nicht als aggressiven Hund sieht. Sie erzählte mir, dass Cora sich einmal gegen einen anderen, angreifenden und deutlich kleineren Hund verteidigen musste, dies allerdings ohne Verletzungen oÄ von statten ging. Das sie offenbar Probleme mit bestimmten Menschen hat und dass sie keine ‚Stumpfnasigen Hunde‘ mag, weil sie offenbar deren Kommunikation kaum lesen kann ( womit sie nicht alleine wäre ) Und dass Cora in der Nachbarschaft natürlich als ‚Kampfhund‘ gesehen wird, deshalb kaum Hundekontakt hat und Moya deshalb natürlich sehr angespannt ist. „Wer hat schuld bei einer Beisserei? Natürlich der Kampfhund“

Als ich Cora dann traf, wirkte sie auf mich eher unsicher, ängstlich. Als würde sie die Welt nicht verstehen und jederzeit Ärger und Maßregelung erwarten. Keiner weiss genau was vor dem Tierheim war, gut kann es aber nicht gewesen sein. Nachdem Cora viel Zeit zum mich beschnuppern bekommen hat und ich immer noch das Gefühl hatte das in ihr maximale Unsicherheit steckt, aber keine eigentliche Aggression, haben wir beschlossen mit ihr und Annie zusammen einen Spaziergang zu machen. Annies Ruhe und Gelassenheit konnten Cora nur gut tun… und so war es dann auch. Cora sah Annie, stutzte, schnupperte, war irritiert das Annie so völlig unbeeindruckt erst mal die Umgebung begutachtet hat und hat dann beschlossen: Cool, läuft 

Nach diesem sehr schönen Spaziergang, bei dem man gemerkt hat wie sehr Cora Annies Anwesenheit genossen hat, habe ich beschlossen Cora einen weiteren Hund vorzustellen. Es war auch recht schnell klar wen: Lutz, ein gestandener großer Rüde, der sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen lässt. Lutz‘ Menschen waren einverstanden die beiden aufeinander treffen zu lassen ( Ich habe natürlich vorher gefragt und die bekannten Fakten erzählt ) Dann kam der große Moment… Cora kannte mein Auto schon, schnupperte neugierig nach dem was da wohl drin ist… Tür geht auf und: Liebe auf den ersten Schnüff. Die beiden haben sich gesehen und waren sofort hin und weg voneinander. Es war ein Traum, der die menschlichen Zuschauer zu Tränen gerührt hat. Da wurde beschnüffelt und gestupst und gefiept und gewedelt was das Zeug hält.
Cora und Lutz

Natürlich sind wir dann direkt aufs Feld, damit die beiden freie Bahn hatten. 1,5 Stunden toben, miteinander laufen, schnüffeln, beieinander liegen… Cora hat so gelacht, Lutz nicht weniger. Es war so toll die unsichere Cora lachen und spielen zu sehen. Sie hat immer wieder Blickkontakt zu Moya aufgenommen, ob auch alles gut ist, ob das auch wirklich wahr ist und hat sich dann wieder voll in den Spass gestürzt. Cora und Lutz

Darauf aufbauend ging es dann weiter. Ich habe Cora nach und nach ein

paar Hunde vorgestellt. Sie zeigte sich immer eher unsicher und zurückhaltend. Der erste Gang in der größeren Gruppe im Hundefreilauf fand dann mit Maulkorb statt. Wir wussten ja nicht wie es in angespannten Situationen und bei Konflikten laufen würde. Cora blieb zurückhaltend. Gab es Anspannung oder auch Konfrontation, zog sie sich zurück und versuchte Stress aus dem Weg zu gehen, bzw ihn zu vermeiden. Fühlte sie sich bedrängt, versuchte sie auszuweichen. Ging das nicht, kläffte sie, zeigte aber überhaupt keine Tendenz nach vorne zu gehen. Die anderen Hunde schienen eher ein Problem mit dem Maulkorb zu haben. Cora hat eine sehr feine Mimik, die aber hinter dem dunklen Maulkorb verloren ging. Also beschlossen wir: Maulkorb runter und umso aufmerksamer bleiben. Und siehe da: Cora war glücklich. Endlich reden können, endlich verstanden werden. Sie blühte auf, taute auf und fühlte sich in der Gruppe unglaublich wohl. Es ist ein Traum, wenn sie auf Welpen trifft. Plötzlich wird die starke Cora, die ohne weiteres mit einem knapp 60kg Rüden tobt, zart und klein und zum Clown.Cora wird zur Welpentante

Seit dem läuft sie grundsätzlich ohne Maulkorb mit uns mit. Warum auch nicht? Sie benimmt sich anderen Hunden gegenüber ausgesprochen höflich, geht Stress und Konfrontation aus dem Weg und selbst mit ‚Stumpfnasen‘ klappt es sehr gut, weil sie ausweicht.

Eine Sache muss ich allerdings immer wieder gut im Blick haben: Meine eigene Laune, mein Zustand. Cora beschützt und übernimmt, wenn sie das Gefühl hat der führende Mensch ist gerade zu müde/traurig/fertig was auch immer. Wenn das mal der Fall ist, muss ich ihr umso mehr das Gefühl geben: Trotzdem nicht deine Baustelle.

Soviel zum Thema Vorurteile gegenüber bestimmten Hunderassen. Natürlich kann man das nicht verallgemeinern. Und natürlich kann man nicht blauäugig an so etwas heran gehen. Sicherheit geht vor, vor allem wenn man die genauen Hintergründe nicht kennt. Aber man kann Chancen geben, auch wenn andere vor einem die Situation bereits beurteilt haben, den Hund verurteilt haben. Zeit und Geduld sind das A und O. Und so ist Cora, die aggressive Hündin die keinen Hundekontakt haben darf, jetzt ein geschätztes Gruppenmitglied das sich wunderbar in die Truppe integriert hat und auf neue Hunde aufgeschlossen und höflich zu geht.

 

Müde nach dem Toben