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Gedanken zum Verhältnis Pferd – Mensch

In letzter Zeit habe ich viel darüber nachgedacht, was genau die Beziehung zwischen mir und meinem Pferd ausmacht, da viele in meiner Umgebung meinen gegenüber ihrem Pferd „Chef“ sein zu müssen. Natürlich brauchen wir eine gewisse Führungskompetenz im Umgang mit dem Pferd, da das ja durchaus auch eine Frage von Risiko und Gefahr ist. Allerdings komme ich nicht so ganz mit der Aussage klar, dass ich für mein Pferd „Leittier“ sein muss, bzw. ich es führen muss, denn letztlich sind wir zum einen gar nicht körperlich dazu in der Lage, unser Pferd zu ‚unterwerfen‘ und ich selbst finde es nicht fair, mein Pferd zu meiner Marionette zu machen. Vielmehr glaube ich daran, dass man mit einem freundschaftlichen Verhältnis viel mehr erreichen kann.

Ein selbstbewusstes Pferd, dass mit dir durch Dick und Dünn gehen will, dass sich bei dir so sicher aufgehoben fühlt, dass es in bestimmten Situationen deine Meinung gar nicht erst anzweifelt, sondern auf die Richtigkeit deiner Entscheidung vertraut. Ein Pferd das nicht ernst genommen wird, dessen Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden, wird immer halb gezwungen arbeiten und ggf irgendwann resignieren, willenlos folgen.

Wenn du selbst deinem Pferd eine Entscheidungsfreiheit einräumst, dann erst kann es auch richtig mit dir kommunizieren, da es ja weiß, dass das was es „sagt“ auch berücksichtigt wird.

Es ist wie bei uns Menschen… wenn ich nie ausreden darf oder gar ignoriert werde, höre ich auch auf etwas zu sagen. Wenn ich mich aber mit einbringen darf, bin ich zum einen freier in dem was ich sage, als auch motivierter Dinge umzusetzen, da ich ein Teil dessen bin.

Im Grunde besteht der Umgang mit einem Pferd daraus, Kompromisse zu machen um für beide den besten Weg zu finden, ans Ziel zu kommen. Und ich denke, wenn man sein Pferd wertschätzt und respektiert gibt es uns genau das zurück. Indem wir es reiten und über und für sie entscheiden dürfen, da sie uns vertrauen – dass wir deren Bedürfnisse in unsere Entscheidung mit einbeziehen und nicht nur unser eigenes Ziel verfolgen. Denn in einer Freundschaft wird niemand ausgenutzt, beide Seiten werden respektiert, gehört und jeder kann er selbst bleiben. Dadurch können beide voneinander lernen und beiden geht es gut, was wiederum dazu führt, dass das gemeinsame Ziel viel schneller erreicht werden kann. Und wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, war es die Liebe zu den Pferden und der Wunsch nach Freundschaft zwischen ihnen und mir, die mich zum Reiter gemacht haben.

Mein Name ist Britta Schröder und ich bin 1993 geboren.

 

Wie viele Mädchen war ich immer schon ein absoluter Pferdenarr und fing auch mit 5 Jahren schon das Reiten in einer klassischen Reitschule an.

Als ich etwas älter wurde, merkte ich leider, dass der Umgang mit Pferden dort nicht das war, was ich mir als Pferdefreund gewünscht habe. Daraufhin folgte eine Pferdepause bis ich als Jugendliche das Glück hatte, ein Pflegepferd anvertraut zu bekommen. Die Stute war lange durch Hufrehe nicht reitbar, weshalb ich viel Zeit mit Zirkustricks und Spazierengehen verbracht habe.

Als sie wieder bedingt reitbar war, hatte ich die Chance in die Westernreiterei reinzuschnuppern, was in der Zeit noch nicht groß verbreitet war. All das, was ich damals vermisst hatte, war da. Es wurde im 2er Unterricht direkt auf mein Können und die Möglichkeiten des Pferdes eingegangen, kein Schema-F mehr! Die Fairness und Freundschaft zum Pferd stand im Vordergrund.

Obwohl ich nach einigen Jahren eine andere Reitbeteiligung hatte, konnte ich diesem Prinzip treu bleiben bis ich 2012 für 6 Monate nach Kanada ging. Dort lernte ich auf einer Ranch für 3 Monate den Umgang mit Problempferden kennen, die resozialisiert und als Ranchpferde ausgebildet wurden. Die letzten 3 Monate verbrachte ich auf einer Ranch bei der Natural Horsemanship im Vordergrund steht und ich durfte sogar an einem Seminar eines kanadischen Pferdeflüsterers teilnehmen. Dieser gewaltfreie Weg, der darauf basiert, das Pferd und seine Bedürfnisse zu verstehen, sich selbst zu verändern um das Pferd zu verändern hat mich nachhaltig beeindruckt.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland, startete ich zunächst als Praktikantin bei einer erfolgreichen Pferdtrainerin und konnte mich dort schnell als Co-Trainerin etablieren.

Als ich meine Ausbildung zur Pferdewirtin Westernreiten anfing, trennten sich unsere Wege. Aus damals persönlichen Gründen konnte ich die Ausbildung leider nicht beenden.

Anfang 2018 kam dann Bobby in mein Leben, ein Pferd das mich sofort sehr tief im Herzen berührt hat. Er hat mit seinen damals 7 Jahren bereits 2-mal beim Schlachthof gestanden, hatte diverse Vorbesitzer und wechselte etwa im 4 Wochentakt den Besitzer. Es hieß er sei lebensgefährlich und er würde nie reitbar sein.

Als ich ihn dann traf, stand vor mir einfach nur ein in der Vergangenheit stark misshandeltes Lebewesen, das nichts sehnlicher erhoffte auf jemandem, dem er Vertrauen kann. Ich war mir zwar nicht wirklich sicher, ob das gut geht, aber zu wissen, dass jemand ihn nochmal weiterverkauft und seine Odyssee nie endet, machte mich auch traurig. Nach intensivem Training und viel Zeit um Vertrauen aufzubauen, starteten wir – immer wieder mit Rückschritten – das Reiten. Es dauerte nicht lange bis er von sich immer mehr anbot, sodass wir in relativ kurzer Zeit enorm viel erreichten. Selbst kleine Rennen über Wiesen und Felder waren kein Problem mehr.

Er ist nach wie vor stark traumatisiert und seine Vergangenheit und seine Ängste kommen immer wieder hoch. Mir zeigt das, dass er Vertrauen zu mir hat. Denn jetzt fühlt er sich sicher und stark genug, um seine Vergangenheit verarbeiten zu können und aufgefangen zu werden. Nach jedem Tief kommt ein noch intensiveres Hoch, da gerade die Rückschritte Vertrauen seinerseits schaffen. Er hat meine Einstellungen zu diversen Dingen in allen Bereichen meines Lebens stark verändert und zeigt mir ständig neue Wege auf, mit Situationen anders umzugehen, sich nicht in alten Mustern festzufahren. Nicht zuletzt ist er der ausschlaggebende Grund gewesen, mich beruflich umzuorientieren, da ich mit ihm gelernt habe, dass man die Welt doch ein bisschen besser machen kann.

Abzeichen und offizielle Urkunden

  • Basispass
  • Deutsches Longierabzeichen
  • Westernreitabzeichen 3
  • Westernreitabzeichen 4
  • Trainer C Westernreiten 
  • Ausbildung zur Pferdewirtin ( Abbruch kurz vor Abschluss aus persönlichen Gründen )
  • Langzeitpraktikantin bei einer bekannten Trainerin – Co-Trainerin
  • 6 Monate Aufenthalt in Kanada zur Intensivierung der Pferd Mensch Kommunikation
  • Private Arbeit mit Traumatisierten Pferden